
Impotenz
Beschreibung
Unter Impotenz versteht man allgemein, dass Männer den
Beischlaf nicht mehr befriedigend ausführen können. Es gibt
verschiedene Formen der Impotenz.
Umgangssprachlich sind mit Impotenz meist Erektionsstörungen
gemeint. Mediziner sprechen erst von einem chronischen
Krankheitsbild, wenn diese mindestens sechs Monate anhalten
und mindestens 70 Prozent der Versuche, einen
Geschlechtsverkehr zu vollziehen, erfolglos sind.
Wie häufig Impotenz auftritt, darüber gibt es keine genauen
Angaben, weil die Dunkelziffer sehr hoch ist. Experten
schätzen aber, dass etwa zehn Prozent der bis 40-Jährigen und
zwischen 30 und 50 Prozent der über 40-Jährigen betroffen
sind. Die Richtlinien der European Association of Urology
(EAU)* berichten unter anderem auch über eine Studie, in der
die Häufigkeit bei 8.000 deutschen Männern beforscht wurde:
Danach hatten 19,2 Prozent aller befragten Männer eine
Erektile Dysfunktion.
Therapiert werden nur etwa zehn Prozent.
Ursachen
Eine Erektion entsteht durch das Zusammenspiel des
Nervensystems, der Blutgefäße, Hormone und der Psyche. Die
Ursachen von Impotenz können entsprechend vielfältig sein.
In etwa 80 Prozent der Fälle finden sich körperliche Ursachen,
vor allem bei Männern ab 50 Jahren. Dazu gehören unter anderem:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Die Arterienverkalkung (Arteriosklerose)
ist mit etwa 40 Prozent die häufigste Ursache der Impotenz.
Aber auch Bluthochdruck und ein zu hoher Cholesterinspiegel
gehören zu den Urhebern.
- Diabetes,
- Rauchen,
- Übergewicht,
- Bewegungsmangel,
- Nierenschäden,
- Operationen im kleinen Becken (z.B. an der Prostata) oder
Verletzungen,
- abnutzungsbedingte Wirbelsäulenerkrankungen,
- hormonelle Störungen,
- Erkrankungen des Nervensystems, z.B. Multiple Sklerose,
- Medikamenten- oder Alkoholmissbrauch.
In etwa 20 Prozent der Fälle ist die Impotenz psychisch
bedingt, besonders in der Altersgruppe bis 35 Jahre. Zu den
Auslösern gehören beispielsweise:
- Stress,
- Depressionen,
- Persönlichkeitskonflikte.
Bei einigen Männer sind aber psychische und körperliche
Faktoren gemeinsam ausschlaggebend.
Nur wenn die konkrete Ursache für die Impotenz gefunden wurde,
kann der Arzt sie auch gezielt behandeln. Aber nicht nur die
Therapie der Impotenz ist für den Patienten wichtig. Häufig
ist sie ein Frühwarnzeichen für eine der oben genannten
Krankheiten, z.B. für einen Herzinfarkt. Unbehandelt können
diese zu einer ernsten gesundheitlichen Gesundheitsgefahr
werden. Überwinden Sie daher Ihre Scheu und lassen Sie sich
bei Impotenzproblemen frühzeitig von einem Urologen betreuen.
Symptome
Mediziner unterscheiden zwei Formen der Impotenz:
- Erektionsstörungen (Impotentia coeundi)
Hier reicht die Erektion nicht für einen Geschlechtsverkehr
aus, der Penis wird nicht steif genug. Einige Männer können
außerdem den Zeitpunkt des Samenergusses nicht kontrollieren.
Er kommt vorzeitig bzw. verzögert. Andere wiederum haben
überhaupt keinen Samenerguss (Anejakulation), was allerdings
extrem selten vorkommt.
- Unfruchtbarkeit (Impotentia generandi)
Hier entsteht zwar eine normale Erektion, aber es können keine
Kinder gezeugt werden. In der Regel haben diese Männer einen
Samenerguss, aber im Sperma befinden sich keine intakten, zu
wenige bzw. überhaupt keine Spermien.
Diagnose
Der Arzt wird Ihnen sehr persönliche Fragen stellen, unter
anderem über Ihr Sexualleben. Diese Informationen sind wichtig,
um sich ein Bild von der Erkrankung zu machen. Der Arzt wird
sowohl mit Ihnen als auch mit Ihrem Partner sprechen. Manchmal
ist auch einfacher, diese Fragen in einem Fragebogen zu
beantworten. Diese sind bei Urologen zu erhalten, die auf die
Behandlung der Erektilen Dysfunktion spezialisiert sind.
Einige Medikamente können Erektionsstörungen hervorrufen oder
bestehende verschlimmern. Deshalb sollten sie dem Arzt alle
Medikamente nennen, unabhängig davon, ob sie rezeptflichtig
sind oder nicht.
Im nächsten Schritt gilt es zu klären, ob Störungen der Psyche
(z.B. Stress, Depressionen), des Nervensystems, der Blutgefäße
oder der Hormone zur Impotenz beitragen.
Dazu untersucht der Arzt den Penis und die Hoden. Nach EAU-Empfehlungen*
sollten alle Männer über 50 Jahren auch manuell über den Darm
untersucht werden (digital rektale Untersuchung, DRU). Damit
lassen sich Prostatavergrößerungen abschätzen, die ebenfalls
Erektionsstörungen verursachen können.
Es folgen eine Blutdruck- und Pulsmessung sowie Blut- und
Urinuntersuchungen, unter anderem eine Bestimmung des
Hormonstatus. In besonderen Fällen werden auch die Nerven des
Beckenbodens neurologisch untersucht.
Wichtig sind auch Ultraschall-Untersuchungen der Blutgefäße
des Penis in Ruhe und - unter besonderen Umständen - auch nach
der Injektion eines erektionsfördernden Medikaments. Nur falls
ein operativer Eingriff zur Verbesserung der Durchblutung in
Frage kommt, werden noch genauere Gefäßdarstellungen und
Durchblutungsmessungen von den EAU-Richtlinien* empfohlen.
Mit Hilfe eines einfachen Gerätes kann man während der Nacht
den Schwellungsgrad des Penis beurteilen (Tumeszenzmessung,
NPTR-Messung). Lassen sich Erektionen während des Schlaf
nachweisen, spricht dies dafür, dass der Erektionsmechanismus
an sich immerhin funktioniert.
Breite Therapiepalette
Durch die heutigen Therapieoptionen ist es möglich, für jeden
Patienten ein individuell angepasstes Behandlungsschema zu
finden. Ihr Urologe wird Ihnen verschiedene Möglichkeiten mit
Vor- und Nachteilen nennen.
Letztendlich hängt die Behandlungswahl von der Ursache des
Problems und von Ihrer Einstellung gegenüber der
Behandlungsform ab. Die Behandlungsmöglichkeiten reichen von
Medikamenten über Erektionshilfen (Vakuumpumpe) bis hin zu
Gefäßoperationen oder der Implantation so genannter
Penisprothesen.
Dabei muss man sich im Klaren darüber sein, dass die meisten
Behandlungsansätze nur die Erektionstörungen behandeln, nicht
aber ihre Ursachen beseitigen. Deshalb empfehlen die
europäischen Leitlinien*, zuallerst die Lebensgewohnheiten zu
verbessern. Denn mittlerweile mehren sich die Hinweise, dass
Rauchstopp, Gewichtsreduktion, körperliche Bewegung, Absenkung
des Blutzuckerspiegels und Normalisierung von Blutdruck und
Cholesterin nicht nur die allgemeine Gesundheit, sondern auch
die Erektionsfähigkeit verbessern.
Unter den Medikamenten gelten die aktuell die so genannten
PDE-5-Hemmer laut EAU* als Therapie der ersten Wahl. Sie
blockieren das Enzym Phosphodiesterase-5 (PDE-5). Dadurch
entspannt sich die Penismuskulatur, die Blutgefäße können sich
besser erweitern und die Schwellkörper füllen sich mit Blut.
Die Wirkung setzt nur ein, wenn "Mann" sexuell erregt ist. Die
Wirkstoffe Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil unterscheiden
sich hauptsächlich durch Wirkungseintritt und Wirkdauer.
Helfen PDE-5-Hemmer nicht oder dürfen sie nicht eingesetzt
werden, gibt es nach den Leitlinien der EAU* die Möglichkeit
auf Apomorphin auszuweichen. Mittel der zweiten Wahl sind zwar
auch effektiv, müssen aber injiziert werden. Bekanntester
Vertreter ist das Alprostadil, das entweder mit einer Nadel
direkt in die Schwellkörper des Penis gepritzt wird oder als
gesondertes Präparat ohne Nadel in die Harnröhrenöffnung an
der Penisspitze gedrückt werden kann. Die Verabreichung direkt
in die Schwellkörper ist wirksamer, aber auch
nebenwirkungsreicher.
Nutzen Sie außerdem die Möglichkeit einer psychologischen
Beratung. Auch wenn die Ursache organisch bedingt ist, kann
eine Beratung viele Denkanstöße geben, um besser mit der
Impotenz umzugehen.
Vorbeugen
Wer sich ausgewogen ernährt, nicht raucht und Alkohol nur in
Maßen genießt, hat ein geringeres Risiko impotent zu werden.
Vor allem aber beugen Ausdauersport und das Halten eines
normalen Körpergewichts vor. Nach den EAU-Richtlinien* gibt es
einen Zusammenhang von Gewichtsverlust (bei Übergewichtigen)
und einem Mehr an körperlicher Aktivität mit einer besseren
Erektionsfähigkeit. In einer amerikanischen Untersuchung
hatten Männer, die in mittlerem Lebensalter begannen, Sport zu
treiben, ein 70 Prozent niedrigeres Risiko, Erektionsstörungen
zu entwickeln. Dies wurde über eine Nachbeobachtungszeit von
acht Jahren ermittelt.
Wenn Sie Probleme mit der Impotenz haben, können sich auch an
Selbsthilfegruppen wenden.
Lassen Sie Risikokrankheiten für Impotenz wie Arteriosklerose,
Bluthochdruck oder Diabetes frühzeitig von Spezialisten
behandeln. Umgekehrt hat eine internationale Expertengruppe
erklärt, dass jeder Mann mit Erektionsstörungen bis zum Beweis
des Gegenteils als Risikopatient für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt. Nach deren Aussage sollte
sich jeder Betroffene auf Gefäßerkrankungen wie
Arteriosklerose untersuchen sowie Blutdruck, Blutzucker und
Blutfette bestimmen lassen.
Prognose
Entscheidend ist, ob die der Impotenz zugrundeliegende
Krankheit verbessert werden kann oder nicht. Die Prognose der
Erektilen Dysfunktion hängt daher ganz individuell von der
Ursache und damit von der Effektivität der zur Verfügung
stehenden Behandlungsmöglichkeiten ab.
Prinzipiell sind die Heilungschancen umso höher, je früher das
Problem angepackt wird. Leider vermeiden viele Männer aus
Scham über den Verlust ihrer Männlichkeit den Gang zum
Spezialisten. Rund anderthalb Jahre warten Betroffene im
Schnitt, bevor sie sich ärztliche Hilfe suchen.
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