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Haarausfall
Was ist Haarausfall?
Noch bis vor wenigen Jahren existierten keine wirksamen Mittel
gegen Haarausfall. Heute hat man die Auswahl zwischen
verschiedenen Erfolg versprechenden Substanzen.
Ein paar Haare im Kamm sind noch kein Hinweis auf einen
Haarausfall. Es ist vollkommen normal, dass ein Mensch bis zu
hundert Haare am Tag verliert. Jeder dritte Mann und jede
zehnte Frau sind aber von einem stärkeren Verlust betroffen,
erst dann spricht man von Haarausfall.
Die häufigsten Arten des Haarausfalls sind:
- Hormonell-erblicher Haarausfall (androgenetische Alopezie)
- Kreisrunder Haarausfall (Alopezia areata)
- Diffuser Haarausfall
Was Sie selbst tun können
- Überlegen Sie, ob Sie die restlichen Haare ebenfalls
abschneiden. Vielleicht kommt das neue Gesamtbild bei Ihnen
und anderen sogar besser an.
- Decken Sie die die kahlen Stellen mit Haaren ab, die noch
vorhandenen sind.
- Überlegen Sie, ein Toupet zu verwenden.
- Versuchen Sie eine Behandlung mit Medikamenten.
- In Frage käme auch eine Haartransplantation (Dermatologische
und Plastische Chirurgie). Allerdings ist dies eine sehr teure
Methode.
Hormonell-erblicher Haarausfall
1) Was im Körper geschieht
Die erbliche Form des Haarausfalls betrifft hauptsächlich
Männer und ist mit 95 Prozent die häufigste Form. Viele
glauben, das übermäßig produzierte männliche Geschlechtshormon
Testosteron sei für den frühzeitigen Haarverlust
verantwortlich. Tatsächlich ist aber nicht zu viel Testosteron
die Ursache, sondern eine vererbte Empfindlichkeit der
Haarwurzeln gegenüber dem Hormon. Zunächst entstehen an der
Stirn die so genannten Geheimratsecken, später lichtet sich
auch das Haar am Hinterkopf.
Auch Frauen produzieren Testosteron. Erblicher Haarausfall
betrifft sie aber nur selten. Ihr Haar dünnt in diesem Fall
entlang des Scheitels extrem aus.
2) Therapiemöglichkeiten
Die schmerzliche Wahrheit zuerst: Einmal ausgefallene Haare
kommen nicht wieder. Nur eine Haartransplantation kann hier
Abhilfe schaffen.
Mit Medikamenten lässt sich teilweise der Ist-Zustand erhalten
und ein Erfolg in der Verdickung dünner gewordener Haare
verzeichnen. Eine medikamentöse Behandlung sollte so früh wie
möglich erfolgen. Setzt man die Mittel ab, schreitet auch der
Haarausfall wieder voran.
Um den Körper so wenig wie möglich zu belasten, startet man
mit Haartinkturen, die direkt auf die Kopfhaut aufgetragen
werden. Erste Ergebnisse sind nach drei bis sechs Monaten zu
sehen. Erst wenn Haartinkturen nicht zum Erfolg führen, werden
Tabletten eingesetzt.
Haarausfall bei Männern wird in der Gesellschaft als normal
akzeptiert. Deshalb zahlen die Krankenkassen die
erforderlichen Arzneien gegen Haarausfall nicht. Frauen leiden
unter dem Haarausfall in der Regel psychisch wesentlich
stärker. Die Kassen übernehmen aus diesem Grund die
Behandlungskosten. Die verfügbaren Präparate sind mit einer
Ausnahme verschreibungspflichtig.
3) Medikamente
- Für Männer & Frauen
17-Alpha-Estradiol ist als rezeptfreie Haartinktur erhältlich.
Das Östrogen verhindert die Umwandlung des Testosterons in
seine aktive Form, das Dihydrotestosteron (DHT). Gegen DHT ist
die vererbte Empfindlichkeit hauptsächlich gerichtet. Eine
einmalige Anwendung pro Tag reicht aus.
Minoxidil - ebenfalls eine Haartinktur - wird zweimal täglich
angewendet. Warum es wirkt, ist bislang nicht bekannt.
Vermutlich regt es die Durchblutung und damit auch das
Haarwachstum an.
- Für Männer
Finasterid - als Tablette erhältlich - verhindert die
Umwandlung des Testosterons in DHT (wie 17-Alpha-Estradiol).
Während der Finasteridanwendung wurde auch eine kleine Menge
des Wirkstoffes in der Samenflüssigkeit gefunden. Das Risiko
von Missbildungen bei einer Schwangerschaft könne nicht ganz
ausgeschlossen werden, so die Beurteilung der Fachzeitschrift
arzneitelegramm.
- Für Frauen
Frauen, die mit der Pille verhüten wollen, profitieren von
Kombinationspräparaten aus Östrogenen mit speziellen
Gestagenen. Diese Gestagene haben eine antiandrogene Wirkung,
also eine Gegenspieler-Funktion zu Testosteron. Die
Kombinationen von Chlormadinon mit Ethinylestradiol oder
Mestranol und Dienogest mit Ethinylestradiol zeigen sehr gute
Erfolge. Bei sehr schweren Formen ist Cyproteron mit
Ethinylestradiol die Kombination der Wahl.
Für Frauen nach den Wechseljahren eignen sich Chlormadinon,
Dienogest und Cyproteron als Einzelpräparate.
Kreisrunder Haarausfall
1) Was im Körper geschieht
Der kreisrunde Haarausfall (Alopezia areata) ist die
zweithäufigste Form, kommt aber sehr selten vor. An mehreren
Stellen des Kopfes bilden sich plötzlich kreisrunde, kahle
Flecke. Die Haare können aber auch komplett ausfallen. Bis
heute sind die Gründe dafür noch nicht klar. Wahrscheinlich
liegt entweder eine Störung des Immunsystems oder eine
psychische Erkrankung vor, die das Haarwachstum zum Stillstand
bringen. Bei den meisten Patienten stellt sich das Wachstum
innerhalb eines Jahres wieder ein. Dauert der Haarausfall
länger an, kann es sein, dass die Haare nicht wieder
nachwachsen.
2) Therapiemöglichkeiten
Die Behandlung beschränkt sich auf wenige Maßnahmen und führt
nur selten zum Erfolg. Man vermutet, dass das körpereigene
Immunsystem sich gegen die eigenen Haarwurzeln richtet.
Kortisonhaltige Haartinkturen sollen das Immunsystem
unterdrücken. Durchblutungsfördernde Haartinkturen sollen die
Kopfhaut reizen und das Haarwachstum wieder anregen. In
schweren Fällen sollten Sie einen auf kreisrunden Haarausfall
spezialisierten Arzt aufsuchen - allerdings gibt es davon nur
wenige in Deutschland.
Diffuser Haarausfall
1) Was im Körper geschieht
Hier ist der Haarausfall nicht auf einen bestimmten Teil des
Kopfes beschränkt, sondern das Haar dünnt insgesamt aus. Die
Ursachen können vielfältig sein:
- Stress
- Mangelerscheinungen durch Fehlernährung oder nach
Fastenkuren
- Hormonumstellungen nach der Geburt, dem Absetzen der Pille
oder in den Wechseljahren
- Infektionen
- Schilddrüsenfunktionsstörungen
- Einnahme von Medikamenten
Prinzipiell kann es sich beim diffusen Haarausfall auch um
eine Altererscheinung handeln.
2) Therapiemöglichkeiten
Die Behandlung des diffusen Haarausfalls hängt von der Ursache
ab.
- Bei Schilddrüsenfunktionsstörungen und Infektionen
therapiert man die Grunderkrankung.
- Bei Hormonmangel in den Wechseljahren kompensiert eine
Haartinktur mit 17-Alpha-Estradiol den Östrogenabfall.
- Mangelerscheinungen lassen sich generell durch eine gesunde
Mischkost ausgleichen. Ein Mangel an Eisen ist aber weit
verbreitet, besonders bei Frauen. Fehlendes Eisen macht sich
am Haar besonders bemerkbar. Gegebenenfalls muss man den
Mangel mit Eisenpräparaten ausgleichen. Aufschluss darüber
gibt eine Blutanalyse.
- Um sich von Stress und Hormonschwankungen zu erholen,
braucht der Körper einfach nur Zeit und Ruhe.
Sind Medikamente die Ursache des Haarausfalls, sollten Sie mit
Ihrem Arzt besprechen, ob Sie auf andere Präparate ausweichen
können.
Weitere Behandlungen
Bei allen Formen des Haarausfalls gibt es die Möglichkeit
einer Operation. Die Dermatologische und Plastische Chirurgie
entwickeln ständig bessere Methoden zur Haartransplantation
oder zur Verkleinerung kahler Stellen am Kopf.
Es existiert eine Vielzahl von Produkten, die das Haar im
Wachstum stärken oder Mangelerscheinungen ausgleichen sollen.
Im Allgemeinen ist eine ausgewogene Ernährung ausreichend, um
den Körper mit allem Notwendigen zu versorgen.
Obwohl ihre Wirksamkeit nur teilweise bewiesen ist, kann eine
Kur mit folgenden Wirkstoffen einen Versuch wert sein, da
manche Patienten für sich selbst eine Verbesserung
feststellen:
- Vitamine B oder H (Biotin)
- Spurenelement Zink
- Schwefelhaltige Aminosäuren, Cystein und Methionin
- Hirse-Extrakte
- Kombinationspräparate aus Vitaminen und Schwefelhaltige
Aminosäuren
Blick in die Zukunft
US-Wissenschaftler haben ein Gen entdeckt, das die
menschlichen Haarzyklen regulieren kann. Es wurde an einer
pakistanischen Familie untersucht, die an Alopecia universalis
leidet - einer Form von Haarausfall, die den ganzen Körper
betrifft.
Eine anderen Forschungsgruppe aus Chicago gelang es, bei
Mäusen Hautzellen in Haarfollikel umzuwandeln. Damit könnte
man auch bei einer bereits bestehenden Glatze neue Haare
sprießen lassen. Konkrete Ergebnisse für den Menschen sind
allerdings noch nicht in Sicht.
Neue Ansätze überprüfen
Deutlich praxisnaher ist ein Ansatz, der zur Zeit am
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gemeinsam mit einem
privaten Forschungsinstitut und einer Hautarztpraxis
untersucht wird. Hintergrund ist die Annahme, dass Stress über
eine erhöhte Spannung der Kopfmuskulatur zu einer schlechteren
Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Haarfollikel führt.
Mit geringsten Mengen des Nervengifts Botulinumtoxin A, das
mit hauchdünnen Nadeln in die Kopfmuskeln injiziert wird,
lässt sich der Zug der Muskeln auf die Kopfschwarte
reduzieren. Die kleinen Blutgefäße unter Kopfhaut können sich
wieder besser entfalten. Sauerstoff erreicht in größerer Menge
die Haarfollikel, störende Stoffwechselprodukte werden rascher
abtranspotiert. Ob unter den besseren Stoffwechselbedingungen
die Haare auch besser sprießen, soll die Studie der Hamburger
Forscher zeigen. Erste Ergebnisse werden im Varlauf des Jahres
2007 erwartet.
Ohne Wirkungsnachweis
In Kleinanzeigen, per E-Mail oder auch im Direktvertrieb über
Freunde, Bekannte oder sogar Friseure werden immer wieder
rezeptfreie Wundermittel beworben, die angeblich eine dichte
Haarfülle hervorzaubern. Mit gut getricksten
Vorher-Nacher-Bildern oder anrührenden Geschichten verlocken
sie zum Kauf. Sparen Sie sich die oft sehr teuren Produkte.
Für sie gibt es keinerlei Wirkungsnachweise.
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